Akupunktur

Körpereigene Reizmethoden sind in den meisten Kulturen bekannt. Die Akupunktur gehört zu den Umsteuerungs- und Regulationstherapien. Sie ist eine regulative Therapieform. Akupunktur ist ein Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Um die Zeitenwende entstand die erste schriftliche Aufzeichnung medizinischer Natur: "Innere Klassiker des Gelben Kaisers" in China. Sie enthielt u.a. das Akupunkturwissen dieser Zeit. Die ältesten archäologischen Nachweise der Akupunktur finden sich in Gräben und sind bis zu 6000 Jahre alt. Das chinesische Wort für Akupunktur besteht aus zwei Teilworten, die die Hauptanwendungen der Akupunktur beschreiben:
1. Einstechen von einer Nadel in die Akupunkturpunkte und
2. dem Erwärmen (Moxibustion) der Punkte.

Die meisten Akupunkturpunkte sind entlang so genannter Meridiane angeordnet. Nach Meinung der Anhänger der TCM wird durch das Einstechen der Nadeln der Fluss des Qi beeinflusst, wodurch Blockaden freigesetzt werden. Setzt ein erfahrener Akupunkteur die Nadeln, so kann dies zur Heilung führen. Die Akupunkturpunkte und Meridiane sind inzwischen von der modernen Physik und Biologie als Strukturen nachgewiesen worden.

Wie funktioniert Akupunktur?

In der chinesischen Medizin gelten Schmerzen als Zeichen für einen Energiestau im Körper. Der Therapeut versucht nun durch Reizung mit Nadelstichen blockierte Punkte zu aktivieren, um ein gesundes Gleichgewicht wiederherzustellen. Der Akupunkteur sticht eine bestimmte Anzahl in einer fest vorgegebenen Reihenfolge in die Haut, dort bleiben sie 20-40 Minuten.

Noch älter ist die Akupressur. Hier werden die Punkte mit Hilfe der Fingerkuppen massiert.

Die Behandlung über das Ohr ist zwar auch aus der chinesischen Akupunktur bekannt, es werden dort jedoch nur wenige Punkte, selten verwendet. Das Konzept der Ohrakupunktur (Auriculo-Therapie) wurde vom französischen Arzt Paul Nogier gefunden. 1954 berichtete er erstmals in der "Deutschen Zeitschrift für Akupunktur" über seine Erfahrungen und 1961 stellte er seine Diagnose- und Therapieform auf einem Akupunkturkongress in Deutschland vor.
Die Auriculomedizin nach Dr. Nogier ist eine Reflexzonentherapie. Zahlreiche neurophysiologische Mechanismen führen zu einer Projektion von peripheren Störungen auf das Ohr und natürlich zur Möglichkeit, durch Reize (mit Hilfe von Nadeln) zurück auf den Körper zu wirken. In der Ohrmuschel, so steht es im „Ney Ching“ geschrieben, treffen sich alle Meridiane, sodass das Ohr auf diese Weise direkt mit allen Organen verbunden ist. Diese Areale oder Punkte im Ohr sind nur als Projektion von Störungen im Körper auf das Ohr zu verstehen. Sie sind im Gegensatz zu den Akupunkturpunkten der klassischen Akupunktur nur dann feststellbar, wenn Störungen im Körper vorliegen. Die Akupunkturpunkte der Körperakupunktur sind immer feststellbar.

Wie funktioniert die Auriculotherapie?

Reizt man einen Punkt (Projektionszone) auf der Ohrmuschel mit der Nadel oder manipuliert diese Stelle auf andere Weise, läuft das so ausgelöste Signal auf einem extrem kurzem Weg zur Formatio reticularis (Schaltstelle im Gehirn) und von dort weiter zum Gehirn und zum jeweiligen Erfolgsorgan im Körper.

Die Auriculomedizin ist sehr wirksam und fast nebenwirkungsfrei, wenn Sie von einem erfahrenen Therapeuten praktiziert wird. Ohrakupunktur ist besonders in der Notfallmedizin einsetzbar. Sie ist ein ideales Mittel zur Linderung von Schmerzen, Traumen oder zur Entspannung in akuten Krisen (z.B. Koliken). Schmerzen welcher Art auch immer können gelindert und häufig ganz ausgeschaltet werden, z.B. Kopfschmerzen, Migräne, Ischilgien, Zoster- Schmerz.

Dr. Nogier empfiehlt besonders die Auriculotherapie für Behandlungen aller Leiden des zentralen Nervensystems (Furcht, Platzangst, Konzentrationsmängel, Schwindel, Stottern, Besessenheit). Aber auch bei älteren Menschen kann die Ohrakupunktur besonders hilfreich sein, die besonders von der entspannenden und ausgleichenden Wirkung profitieren. Besonders erfolgreich haben sich Behandlungsprogramme zur Suchtbehandlung bewährt. Entwöhnung bei Alkohol-, Drogen-, Medikamenten und Nikotinabhängigkeit aber auch bei Bekämpfung der Esssucht.

Wie funktioniert die Augenakupunktur?

Die Augenakupunktur nach Prof. Dr. John Boel aus Dänemark ist in den letzen 10 Jahren sehr erfolgreich geworden. Hier werden Nadeln zwischen den Augenbrauen, Händen und Füßen gesetzt. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass nicht jeder ausgebildete Akupunkteur auch die Augenakupunktur beherrscht. Zu den häufigsten Fällen, die mit Augenakupunktur behandelt werden, gehören Altersweitsichtigkeit, Marcula Degeneration, Rinitis Pigmentosa, Glaucom, Erkrankungen der Netzhaut u.a. Dabei können zwar nicht alle Augenleiden vollständig geheilt werden, fast alle Augenleiden können jedoch stark gelindert und ein Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Daneben besteht noch das Konzept der koreanischen Handakupunktur, bei der die Meridiane komplett auf den Händen abgebildet sind.

Wie funktioniert Yamamotos Neue Schädelakupunktur?

Yamamotos Neue Schädelakupunktur, ist ein neues eigenständiges medizinisches Therapieverfahren, das sich von der TCM unterscheidet. Das Verfahren wurde von Dr. Toshikatzsu Yamamoto vor rund 30 Jahren entdeckt und stetig weiterentwickelt. Mit dieser Form der Akupunktur werden alle Formen von Wirbelsäulen-Schmerzsyndromen, Hemiplegie, Tinnitus, Facialis Parese, MS und vieles mehr erfolgreich behandelt. YNSA ist ein einfaches und zugleich sehr komplexes, diagnostisches und therapeutisches Verfahren, das primär am Schädel ansetzt.

Skeptische Haltung der Schulmedizin

Aus Sicht der Schulmedizin ist die hinter der Akupunktur stehende Theorie der Meridiane und Akupunkturpunkte jedoch kritisch zu hinterfragen. Zusammen mit erfahrenen Akupunkteuren sollte versucht werden, objektive Nachweise der Ortlokalisation von Organ-, Schmerz und Triggerpunkten zu erarbeiten. Deshalb wurde nun mit gerac (Abkürzung für die German acupuncture trials (http://www.gerac.de) die bislang größte weltweite Untersuchung gestartet, die bis 2005 zeigen sollte, inwieweit die Akupunktur Patienten tatsächlich helfen kann.

Ende 2004 wurden folgende Zwischenergebnisse veröffentlicht: Sechs Monate nach Therapieende gaben 71,1 % der an "gesichert wirksamen" Akupunkturpunkten behandelten Patienten eine Verbesserung der Schmerzsymptome und eine Zunahme der Beweglichkeit an. Demgegenüber gaben 67,7 % der mit einer Scheinakupunktur behandelten Patienten eine Besserung an. 57,6 % der konventionell, also ohne Akupunktur, behandelten Patienten der Kontrollgruppe gaben eine Linderung an. Denn: "Trotz der weiten Verbreitung und der hohen Akzeptanz der Akupunktur bei den Patienten sind kontrollierte Akupunktur-Studien selten (sicherlich nicht zuletzt wegen der hohen Kosten) und zeigen widersprüchliche Ergebnisse.

Aus einer aktuellen Analyse bisheriger Forschungsergebnisse schlossen Wissenschaftler, dass bei den meisten untersuchten Krankheitsbildern die Wirksamkeit einer Akupunkturbehandlung nicht eindeutig nachgewiesen ist. Die Autoren der Analyse stellen übereinstimmend fest, dass weitere, qualitativ hochwertige, randomisierte und kontrollierte Studien notwendig sind, um die Wirksamkeit von Akupunkturbehandlungen sicher zu beurteilen." (Zitat aus der Internetseite von gerac) Die Gründe für die Wirksamkeit der Akupunktur aus Sicht der Schulmedizin sind bislang:

  • Es beschäftigt sich jemand sehr eingehend mit dem Patienten, das wirkt sich in der Regel schon sehr positiv auf einen Krankheitsverlauf aus. (siehe auch Naturheilpraxis !)
  • Ein Schmerz wird durch einen anderen Schmerz übertönt.
  • Der Placebo-Effekt wird ausgenutzt. Suggestion und Autosuggestion werden als Wirkungsprinzip genutzt. Der Placebo (oder Noncebo)-Effekt und Suggestionsmechanismen sind jedoch bei jeglicher medizinischer Behandlung vorhanden. Zudem wird hierbei - wie auch bei der Homöopathie - übersehen, dass Akupunktur auch bei Tieren wirkt.

Vorsicht ist geboten, wenn bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose, Schlaganfall etc. allein der Wirksamkeit der Akupunktur vertraut wird und eindeutig wirksame Methoden nicht, zu spät oder nur halbherzig angewendet werden.

In Österreich wird die Forschung im Bereich Akupunktur von den Arbeiten des Ludwig-Boltzmann-Instituts (LBI) für Akupunktur getragen. Mittlerweile ist die Wirkung der Akupunktur bei Schmerzen ausreichend erforscht und wissenschaftlich belegt. Die plausibelste Erklärung für die nachgewiesene Wirksamkeit der Akupunktur ist eine Prostaglandinsynthesebeeinflussung. Ein Placeboeffekt konnte u.a. auch durch Einsatz von Placebonadeln ausgeschlossen werden. Aus diesen Gründen wird die Akupunktur mittlerweile auch oftmals von den Krankenkassen übernommen.

Einsatzgebiete

Als mittlerweile anerkannte Hauptindikation für eine Akupunkturbehandlung gelten (chronische) Schmerzen, wenn kein morphologischer (z.B. Tumor) Befund vorliegt. Aber auch die Linderung von Beschwerden bei Pollinosis (Heuschnupfen), Tinnitus und die Anwendung in der Gynäkologie zur Geburtsvorbereitung, bei Schwangerschaftserbrechen und Regelbeschwerden sind erfolgversprechende Indikationen. Ferner wird Akupunktur im Bereich der (Akupunktur-)Anästhesie bei kleineren Eingriffen wie z.B. Zahnbehandlungen angewandt. Durch besondere Verträglichkeit im Westen, zeichnet sich die japanische Stichtechnik (Kiko Matsumoto) aus. Die Nadel wird nach dem Setzen nicht mehr stimuliert und ist kleiner als die in der TCM verwendeten Nadeln. Diese Technik wird besonders effektvoll in der kosmetischen Akupunktur angewandt. (Angebot zu Akupunkturielles Facelifting)

Wann spüren Sie einen Erfolg bei einer Akupunkturbehandlung?

Schon nach wenigen Minuten nach dem Einstechen der Nadeln können wohltuende Effekte erspürt werden. Um Schmerzen nachhaltig zu verringern, sind oft 10 -20- Sitzungen notwendig.

Nebenwirkungen

Im Allgemeinen treten bei sachgemäßer Handhabung der Akupunktur kaum schwerwiegende Nebenwirkungen auf, wie auch erste Ergebnisse der gerac 2002 bestätigten. Möglich sind

  • beim Arbeiten mitunsterilen Nadeln - wie dies z.B. in China selbst oft der Fall ist - Infektionskrankheiten wie Hepatitis B, -C und auch AIDS. Allerdings ist die Infektionsgefahr deutlich geringer als bei Kanülen - die Haut scheint gegenüber massiven Stahlnadeln eine höhere Keimresistenz zu besitzen.
  • Organverletzungen wie z.B. ein Pneumothorax (selten) durch eine unbeabsichtigte Verletzung der Lunge.

Weblinks

  • NPA: Gesellschaft zur Förderung einer naturwissenschaftlich physiologisch begründeten Akupunktur e.V.
  • Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V.
  • Akupunktur aktuell
  • Deutsche Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin
  • Fachbereich Ohrakupunktur der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V
  • Kostenfreie Sprechstunde für sozial Schwache
  • Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Akupunktur aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation .
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