Sauerstoff

Unsere Organe benötigen Sauerstoff für ihre Funktionen. Würde beispielweise die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn unterbrochen, so würde dies nach wenigen Minuten zu einer Schädigung Gehirns oder sogar zum Gehirntod führen. In der Notfallmedizin gehört daher Sauerstoff längst zur gängigen Erstversorgung.

Wen wir gähnen, ist das ein Zeichen, dass der Körper sich den fehlenden Sauerstoff durch kräftiges Atmen holen will. Sauerstoffmangel ist aber oft auch die Ursache für Krankheiten. Wenn wir vergesslich und müde sind, wenn unsere Konzentrationsfähigkeit nachlässt oder gar Sehstörungen auftreten, kann dies auch ein Anzeichen von Sauerstoffmangel sein. Selbst Kurzatmigkeit oder Schlafstörungen können darauf zurückzuführen sein. Durch Belastungen wird die aufgenommene Sauerstoffmenge verringert, und dann zirkuliert das Blut schlechter, was zu den beschrieben Symptomen führt.

In der Sauerstofftherapie wird die Versorgung mit Sauerstoff gezielt beeinflusst und therapeutisch gesteuert.

Verschiedene Sauerstofftherapien

Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO = hyperbare Oxygenierung)

Die Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO=hyperbare Oxygenierung) erfordert, wie der Name schon sagt, Überdruckbedingungen. Man atmet in einer Druckkammer, in der ein Überdruck von 1-2 Atmosphären über dem Normaldruck herrscht und die mit normaler Luft gefüllt ist, über eine dicht schließende Maske oder ein Kopfzelt reinen medizinischen Sauerstoff ein. Hierdurch kommt es zu einer - mit keinem anderen Verfahren erreichbaren - übernormalen Aufsättigung des Blutes mit Sauerstoff, so dass im Blut ein Sauerstoff-Partialdruck von 1.600 bis 2.100 mmHg erreicht wird; unter Normaldruckbedingungen sind nur maximal 700 mmHg erreichbar.

Die HBO beruht auf eindeutigen wissenschaftlich anerkannten physikalischen Gesetzen.

Diese hyperbare Sauerstofftherapie wird weltweit an vielen Kliniken und Krankenhäusern, in Wundbehandlungszentren und in wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen der Universitäten eingesetzt (Stichwort: hyperbaric oxygen). In den Kliniken werden lebensbedrohliche Notfälle und Erkrankungen wie Gasbrandinfektionen, Kohlenmonoxid- und Rauchgasintoxikationen, Tauchunfälle mit neurologischen Symptomen behandelt; diese Klinikabteilungen haben eine 24-Stunden-Bereitschaft. Die Anwendung erfolgt weltweit einheitlich in standardisierten Verfahren und nach strengen Richtlinien für Anwendung und klinischen Anwender.

Wegen dieses hohes Sauerstoffgehaltes im Blut besteht ein sehr großes Sauerstoffdruckgefälle zum die Gefäße umgebenden Gewebe, so dass auch entfernte, schlecht durchblutete Gewebsbereiche, sogenannte hypoxische Bereiche, die regelmäßig in schlecht heilenden Wunden zu finden sind, von Sauerstoff erreicht werden. Dadurch wird der Zellstoffwechsel nachweislich angeregt, Phagozyten und Fibroblasten werden wieder aktiv und Wunden, die bisher als therapierefraktär galten, heilen wieder.

Sauerstoff-Inhalationstherapie

Bei der Sauerstoffinhalationstherapie atmet man über eine dicht sitzende Maske reinen medizinischen Sauerstoff ein, so dass es zu einer guten Aufsättigung des Blutes mit Sauerstoff kommt. Die erreichbaren Sauerstoff-Partialdrucke erreichen dabei maximal 700 mmHg (meist etwa 600-650 mmHg) solange, wie man den Sauerstoff einatmet. Dieses einfache Verfahren der Sauerstoffatmung ist jederzeit anwendbar und wiederholbar. Dies Verfahren wird routinemäßig von Ärzten eingesetzt während operativer Eingriffe, postoperativ und natürlich auf den Intensivstationen der Krankenhäuser, um während der Behandlungen bestehenden Risiken zu begegnen und Behandlungen und Patienten nicht durch Sauerstoffunterversorgung zu gefährden. Sobald der akute Behandlungsprozess beendet ist und der Patient nicht weiter gefährdet erscheint, wird die zusätzliche Sauerstoffgabe beendet.

Die „Sauerstoffbars" in manchen Großstädten bieten diesen Dienst an, so dass man quasi im Vorbeigehen mal eine „Sauerstoffdusche" nehmen kann. Die Einsatzgebiete sind dann sehr umfangreich.

Ionisierte Sauerstoff-Intensivtherapie

1981 von Ivan Engler als Regulationstherapie begründet , ist die Inhalation, Insufflation oder Instillation einer Mischung von medizinischen Sauerstoff und wahlweise positiven oder negativen Sauerstoffionen, auch als Besprühen, Baden oder Trinkkuren mit ionisiertem Wasser möglich. Als Indikationen werden genannt Durchblutungsstörungen, Allergien, Radikal-Belastungen und Regulationsstörungen.

Der ionisierte Sauerstoff enthält jedoch bei einer bestimmten Art der Erzeugung (Koronarentladung) Beimengungen von Ozon, Stickoxyden und Schwermetallen; diese können im Körper ungünstige Stoffwechselabläufe hervorrufen.

Siehe auch Quelle: Zusammenfassender Bericht des Arbeitsausschusses "Ärztliche Behandlung" des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Beratungen gemäß §135 Abs.1 SGB V

Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Ardenne

Die Sauerstofftherapie nach Ardenne teilt sich in drei Schritte ein:

  1. Vorbereitung des Organismus
    Zur optimalen Aufnahme und Verwertung von Sauerstoff werden dem Patienten Vitalstoffe zugeführt, die zusätzlich das Immunsystem stimulieren.
  2. Inhalation per Einwegmaske
    90%iger Sauerstoff wird zur Verstärkung der Wirkung über ein Spezialgerät (Ionisator) zusätzlich aktiviert und eingeatmet.
  3. Verbesserung der Durchblutung des Organismus
    Leichte Bewegungsübungen oder Anregung der Hirndurchblutung durch geistige Tätigkeit wie etwa Lesen während der Inhalation.
Mit einer Maske wird ein Sauerstoff-Luft-Gemisch eingeatmet, bei der SMT hat das Luftgemisch einen Sauerstoffanteil von 50%, beim Ergometertraining von 60% - 95%.

„Die O2-Mehrschritt-Behandlung erlaubt mit wenig Zeitaufwand die messbare, anhaltende Steigerung des Energiestatus bei untrainierten bzw. gestressten Personen; ... die starken therapeutischen Wirkungen dieses Energiegewinns ... Hilfe durch Steigerung ihres Energiestatus"

„Charakteristikum der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie ist die gezielte, zeitlich begrenzte und durch Messung überwachte Zufuhr von Sauerstoff über die Atemwege, gekoppelt mit medikamentösen und physikalischen Maßnahmen [Vitamine, Mineralien, Gymnastik] zur Verbesserung der Sauerstoffaufnahme und -verwertung im Körpergewebe. Nach Beendigung der Behandlung bleibt für ein paar Monate anhaltend messbar erhöhter Energiestatus bestehen, der z.B. mit dem PWC (physical working capacity)-Test gemessen werden kann.*

*(Stiftung Warentest: Es wird behauptet, dass der erhöhte Sauerstoffpartialdruck in den Arterien nach der SMT monatelang anhält. Klinische Kontrollstudien ergaben, dass diese Behauptung nicht stimmt: Er sinkt nach einigen Minuten ab. Als diese Wirkungstheorie widerlegt war, formulierte v. Ardenne eine neue; und als sich auch diese als falsch erwies, bot er wieder eine andere an. Die Anwender der SMT verbreiten die widerlegten Theorien weiterhin.

Wann immer Kliniker die von v. Ardenne behaupteten Therapieerfolge prüften, erwiesen sich diese als falsch. Nach der SMT-Behandlung steigt weder die Leistungsfähigkeit noch die Sehkraft. Der „Heileffekt" beruht auf einer Placebowirkung. Die SMT-Behandlung sollte nur nach eingehender Untersuchung und nur dort durchgeführt werden, wo es lebensrettende Einrichtungen gibt.)

Oxyvenierungstherapie nach Regelsberger (Sauerstoff-Infusions-Therapie)

Oxyvenierung ist das Einbringen von Sauerstoff auf intravenösen Wege, langsam (2-3 ml/min) und exakt dosiert, in geringen Mengen (10 -60 ml) über einen längeren Zeitraum (3 - 6 Wochen). Die Anwender preisen diese Therapei als Allheilmittel für alle möglichen Erkrankungen an. Mit einer Vielzahl an Fachbegriffen werden Anwendung und Wirkungsspektrum vorgestellt:

„Der mittels eines Perfusors in eine periphere Vene eingebrachte feinperlige Sauerstoff löst sich sofort entweder direkt physikalisch im Serum auf oder wird vom Hämoglobin der Erythrozyten gebunden. Der Sauerstoff wirkt bei der Oxyvenierungstherapie nicht durch eine Erhöhung des arteriellen Sauerstoffpartialdrucks, sondern durch spezifische Veränderungen der Blutbestandteile. Hervorzuheben sind dabei die schon seit langem bekannte Eosinophilie und eine gesteigerte Prostacyclinsynthese. Es wird vermutet, dass die unphysiologische Einbringung von Sauerstoff zu einer Reizung des Endothels der Lungenkapillaren führt und durch die Stimulierung der Phospholipase A die Arachidonsäurekaskade und somit die Prostaglandinsynthese aktiviert wird.„ (Barsnick et al.)

„Einsatzgebiete sind Durchblutungsstörungen allgemein, cerebrale, coronare, periphere, vasomotorische Dbl.-störungen, Hautkrankheiten (z.B. Neurodermitis, Ekzem), Abwehrsystem, cerebrale Krampfleiden, frühkindliche Hirnschäden, Schlaganfall, chronische Glomerulo- und Pyelonephritis, nephrogene Hypertonie, Niereninsuffizienz, Dialysepatienten, chronische Prostatitis, Glaukom, Sehstörungen bei okulären Durchblutungsstörungen, Retinitis pigmentosa, otogene Gleichgewichtsstörungen, Tinnitus, Morbus Meniere, Erschöpfungszustände, zur Geburtserleichterung, Minderung der Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie, allergisch entzündlichen Erkrankungen, u.a.„

Angeblich werden nebenwirkungsarm und praktisch im Schlaf Krankheiten gelindert und geheilt, die bislang schulmedizinisch als unbehandelbar galten. Gefäß-Chirurgen zum Trotz werden hier ohne Amputationsoperation Beine gerettet, schwerwiegende Behandlungen u.a. mit Cortison und Chemo-Therapie überflüssig und langwierige Krankenhausaufenthalte erspart. Deshalb sehe die Schulmedizin in dieser Methode eine ernstzunehmende Konkurrenz.

Die Stiftung Warentest merkt an, daß während der Behandlung meist Druckgefühl im Brustraum, Hustenreiz, Kopfschmerzen und Müdigkeit auftreten, selten auch Fieber, Atemnot und Krämpfe. Die Behandlung kann eine Gasembolie im Rückenmark verursachen, die Schmerzen und Lähmungen nach sich zieht. Trifft die Embolie das Gehirn, ist ein Schlaganfall möglich. Als Folgen der Behandlung sind auch Lungenembolien und eine Verschlechterung nach Herzerkrankungen möglich. Die Behandler, so die Stiftung, verschleiern die möglichen Gefahren der Therapie.

Werden Sauerstoff-Therapieformen von den Kassen bezahlt?

Sauerstoff-Therapien zählen nicht zu den unmittelbar Krankheiten oder Schmerzen behandelnden Einzeltherapien, sondern sind im Praxisalltag eher eine Ergänzung. Ihre unbestreitbaren Erfolge haben sie vor allem in der Vorbeugung von Krankheiten. Da Vorbeugung und Vermeidung von Krankheiten in den Alltag eines jeden gehören und Teil der Lebensführung sind, für die jeder selbst verantwortlich ist, werden die Kosten von den Kassen nicht übernommen. Es sind privatärztliche Leistungen, die nach dem Katalog der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet werden.

Quellen:

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* Alle Preise enthalten die Umsatzsteuer (soweit angefallen) und sonstige Preisbestandteile. Soweit die Fahrtenpauschale oder Liefer- und Versandkosten anfallen, wird dies separat angegeben.

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