Gymnastik

Gymnastik ist abgeleitet von dem griechischen Verb "gymnázein", was "nackt üben" bedeutet. Damit bezeichnen wir die Kunst der Leibesübungen, so genannt, weil diese Übungen bei den Griechen eben "gymnós", also nackt, ausgeführt wurden.

Heute ist Gymnastik ganz allgemein der Begriff für menschliche Bewegung, wenn diese - und das ist das entscheidende Element - ausschließlich der Bildung des Körpers und der Entwicklung der Bewegungsfähigkeit des Menschen dient. In der Gymnastik werden Kraft, Beweglichkeit, Lockerheit und allgemeine Bewegungsformen durch Gehen, Laufen, Hüpfen, Federn, Springen und Schwingen in harmonische Bewegungsabläufe einzeln und in Gruppen entwickelt. Die Gymnastik bietet so die Möglichkeit der Ausbildung der körperlichen Funktionen und der Bewegungsgrundfertigkeiten für motorische Handlungen. Nicht zur Gymnastik gehören dementsprechend solche Leistungen der Willkürmotorik, die ausschließlich auf das Erreichen externer Ziele ausgerichtet sind, wie weite Bereiche der Arbeitsmotorik und viele Elemente der Sportmotorik.

Gymnastik ist zudem einerseits das wissenschaftlich begründete und allseitig ausgebildete System der Pflege, Stärkung und Übung der Körperkräfte, andererseits auch die angestellte Übung selbst. Indem die Gymnastik ihren Zweck auf die allgemeine und gleichmäßige Ausbildung des Körpers richtet, unterscheidet sie sich von der Athletik, welche den Körper durch einseitige Übungen zu einzelnen hervorragenden Leistungen bringen will, und ebenso von der Agonistik, welche bei ihren Übungen vorzugsweise das Auftreten in Wettkämpfen anstrebt.

Die so verstandene Gymnastik leistet einen Beitrag zur Lebensqualität der Menschen, weil sie der Förderung und Erhaltung der Gesundheit dient, weil sie die Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeit im motorischen Bereich entwickelt und weil sie die Leistungsfähigkeit der Menschen in allen in Bereichen körperlicher Tätigkeit - also auch in Arbeit und Sport z.B. - erhöht. Zum anderen kann Gymnastik eine soziale und pädagogische Aufgabe wahrnehmen, die wir als Bewegungserziehung im echten Sinne des Wortes bezeichnen.

Viele unterschiedliche Arten

Gymnastik ist viel mehr, als wir auf den ersten Blick sehen, und es gibt unerschöpflich viele Arten davon. Diese Art der körperlichen Ertüchtigung kann nicht nur nach funktionellen Gesichtspunkten betrachtet werden, denn Gymnastik hat ihre eigene Idee und ihre klar definierte soziale und pädagogische Aufgabe. Sie ist auch eine eigenständige Form moderner Bewegungskultur, in deren Mittelpunkt die körperliche Bildung des Menschen steht. Durch diese Idee unterscheidet sie sich wesentlich von anderen Formen der Bewegungskultur, etwa Sport und Turnen. Seit der Antike ist das Ziel der Gymnastik, durch Körper- und Bewegungsbildung die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.
Historisch hat sich die Gymnastik stark gewandelt. Ab 1900 wurde die sie vor allem als Vorsorge-, Heil- und Konditionsgymnastik ausgeübt. Erst nach dem 1. Weltkrieg wurde in den Gymnastikschulen die Rhythmische Sportgymnastik mit den Geräten Ball, Reifen, Band, Keulen und Seil entwickelt und angeboten.

In den letzten 25 Jahren hat sich Gymnastik in vielen Variationen herausgebildet, z.B. im Gesundheitsbereich unter präventiven Gesichtspunkten als Pflegerische Gymnastik und Schulsonderturnen; unter rehabilitativen Gesichtspunkten als Krankengymnastik oder in der Sporttherapie. Im Ausdrucksbereich gibt es die Rhythmische und Tänzerische Gymnastik , aber auch viele andere Mischformen. Im Leistungsbereich ist es die Trainingsgymnastik und Wettkampfgymnastik .

Der Erziehungs- und Bildungsbereich hat als wesentlichen Inhalte die Bewegungserziehung und Psychomotorik . In der Berufsausbildung gibt es die Lehrbereiche Gymnastiklehrer, Krankengymnast, Motopädagogen, Sportlehrer. Moderne und beliebte Gymnastik-Formen sind heute Aerobic und die Abwandlungen Jazzgymnastik, Joyrobic und Step-Aerobic.

Einige besondere Gymnastik-Formen werden in der Folge näher betrachtet.

Wassergymnastik

Der Vorteil dieser Behandlungsmethode liegt in den speziellen physikalischen Eigenschaften des Wassers. Im Gegensatz zur Gymnastik auf dem Trockenen, sorgt das Wasser für Auftrieb. Anders gesagt: Man wird um etwa 9/10 seines realen Gewichts leichter, und bestimmte Bewegungen können im Wasser mit viel weniger Muskelkraft ausgeübt werden. Dies ist vorteilhaft für einzelne Gelenke und Muskeln, aber auch für ganze Gliederketten, wie die Wirbelsäule und deren Bandscheiben.

Wassergymnastik kann also mit Erfolg, z. B. in der Behandlung von Schulter-Arm-Syndromen, bei Rückenbeschwerden und Muskelverspannungen eingesetzt werden. Der Reibungswiderstand des Wassers wiederum wird in der Bewegungstherapie gezielt zu Kräftigung erschlaffter Muskeln eingesetzt, beispielsweise nach Knochenbrüchen.

Funktionsgymnastik

Als Funktionsgymnastik bezeichnet man ein Bewegungstraining, das nach ganz bestimmten Gesichtspunkten der Anatomie und der funktionellen Bewegungslehre entwickelt und zusammengestellt wurde. Ziel dieser Art von Gymnastik ist es, das Muskel- und Gelenkverhalten so zu verbessern, dass die Leistungsfähigkeit und die Belastungsverträglichkeit des Bewegungsapparats gesteigert werden.

Schwangerschaftsgymnastik

Eine andere wichtige Form der Gymnastik ist die Schwangerschaftsgymnastik. Im Verlauf einer Schwangerschaft ist der weibliche Körper großen Belastungen ausgesetzt. Durch die Gewichtszunahme sind vor allem die Haut, die Wirbelsäule, das Becken und die Beine stark beansprucht. Das Becken kippt leicht nach vorne, während die Lendenwirbelsäule gekrümmt wird. Schmerzhafte Verspannungen und Fehlbelastungen der Gelenke sind die Folge, oft verstärkt durch ein schon vor der Schwangerschaft bestehendes Haltungsdefizit. Da das wachsende Kind zunehmend mehr Platz im Unterbauch beansprucht, verlagern viele Schwangere die Atmung von Bauch- zu Hochatmung, wobei es dann zu Atemlosigkeit und Verspannungen in Hals-Nacken-Bereich kommen kann. Die Krümmund der Lendenwirbelsäule wiederum führt zu Ischiasbeschwerden. Bei vielen Frauen ist auch noch das Bindegewebe schwach und die Haut reißt, was zu den bekannten Schwangerschaftsstreifen führt.

In der Schwangerschaftsgymnastik verhelfen sanfte Mobilisation und gezielte Muskelkräftigung sowie Dehnung und Entspannung der schwangeren Frau zu individueller Haltungskorrektur, regen Kreislauf und Stoffwechsel an und kräftigen das Bindegewebe. Außerdem werden dadurch die Atemtätigkeit des Kindes verbessert und der Körper der Frau auf die Geburtsarbeit vorbereitet. Die Kräftigung von Bauchmuskulatur und Beckenbodenbereich sorgt für mehr Elastizität der Haut und beugt Problemen bei der Geburt vor. Die Übungen erhöhen außerdem die physische und psychische Belastbarkeit.

Quellen:
http://www.sportunterricht.de/lksport/fugym.html

http://www.anna-herrmann-schule.de/gymnastik-bewegungserziehung-gutsche.html (Artikel nicht mehr online)

http://www.beebie.de/service/40wochen/gymnastik.htm (Link nicht mehr online)

http://www.sportunterricht.de/lksport/funktionsgym20.html

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