Leichtathletik
Leichtathletik
ist die Sammelbezeichnung für verschiedene Lauf-, Sprung- und Wurf-Disziplinen. Die Leichtathletik bildet neben dem Schwimmen die Kern-Sportart der Olympischen Sommerspiele. Abzugrenzen ist die Leichtathletik von der Schwerathletik, die Sportarten wie Ringen und Gewichtheben umfasst, sowie dem Rasenkraftsport, bei dem das Stoßen und Schleudern von sehr unterschiedlichen schweren Gewichten im Mittelpunkt steht. Der Hammerwurf ist auch hier eine Disziplin.
Olympische Disziplinen
Momentan werden bei olympischen Sommerspielen folgende Disziplinen der Leichtathletik ausgetragen:
- Laufwettbewerbe
- Sprintstrecken: 100 m, 200 m, 400 m
Der Kurzstreckenlauf ist die älteste olympische Disziplin.
- Mittelstrecken: 800 m, 1500 m
Als Mittelstrecken
bezeichnet man in der Leichtathletik Laufstrecken die länger als 400m und kürzer als 5000m sind. Olympisch sind bei Männer und Frauen Läufe über 800m und 1500m. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch Läufe über 1000m und - hauptsächlich im angelsächsischen Raum - über eine Meile.
- Langstrecken: 5000 m, 10000 m
- Marathon:
Der Marathonlauf
(kurz Marathon
) ist eine sportliche Laufveranstaltung über 42,195 km. Der Name und die Streckenlänge kommen aus der Legende des Pheidippides, des Läufers von Marathon, und zwar aus der Version, in der die Siegesnachricht von Marathon nach Athen (ca. 40 km) getragen wurde. Der erste organisierte Marathonlauf fand bei den Olympischen Spielen 1896 in Athen statt. Gelaufen wurde die „historische“ Strecke von Marathon nach Athen, also rund 39 km. Spyridon Louis gewann den ersten Olympischen Marathon 1896 in einer Zeit von 2:58:50 Stunden. Seit 1984 ist auch der Marathonlauf der Frauen olympische Disziplin. 1921 wurde die Strecke von 42,195 km, bzw. 26 Meilen und 385 yards, von dem internationalen Verband für Leichtathletik (IAAF) als offizielle Marathondistanz festgelegt.
- Gehen: 20 km, 50 km (M)
Gehen
ist eine Disziplin, bei der im Gegensatz zu den Laufdisziplinen der Fußkontakt mit dem Boden ständig erhalten bleibt. Wettbewerbe werden auf der Straße bei den Herren über 20 und 50 km, bei den Damen über 10 km und 20 km ausgetragen. Bahnwettkämpfe werden bei Männern und Frauen über 10.000 m, im Schüler- und Jugendbereich auch über kürzere Distanzen ausgetragen.
- Hürdenrennen: 100 m (F), 110 m (M), 400 m, 3000 m Hindernislauf (M)
Meisterschaftswettbewerbe sind der kurze (100m bzw. 110m) und der lange Hürdensprint. Dabei müssen unabhängig von der Laufdistanz jeweils 10 Hürden überlaufen werden. Es gibt folgende Disziplinen:
110 m-Hürdenlauf der Männer mit einer Höhe von 106,70 cm, auch im Zehnkampf 100 m-Hürdenlauf der Frauen mit einer Höhe von 84,00 cm, auch im Siebenkampf 400 m-Hürdenlauf der Männer mit einer Höhe von 91,40 cm 400 m-Hürdenlauf der Frauen mit einer Höhe von 76,20 cm. 3000 m Hindernislauf nur für Männer Der Start erfolgt wie bei allen Sprint-Wettbewerben aus dem Startblock. Die Hürden dürfen mit dem Fuß umgestoßen werden, nicht aber mit den Händen. Läuft ein Läufer an der Hürde vorbei oder überläuft er eine Hürde in der Laufbahn eines anderen Läufers, so führt dies zur Disqualifikation. Was die Lauftechnik angeht, so kommt es darauf an, dass nicht übersprungen, sondern überlaufen wird. Dies gelingt, wenn das vordere Führungsbein möglichst nach vorn gestreckt über die Hürde geführt wird und das Nachziehbein möglichst um 90° seitlich abgewinkelt nachgezogen wird. Hinter der Hürde muss dass Führungsbein möglich rasch nach unten geschlagen werden, damit der Läufer schnell wieder Fuß fasst und der Laufrhythmus nicht verloren geht. Zwischen den Hürden muss ein möglichst gleichmäßiger Rhythmus eingehalten werden, im 110 bzw. 100 m-Hürdenlauf mit jeweils drei Schritten zwischen den Hürden.
- Staffellauf: 4 x 100 m, 4 x 400 m
In einer Staffel laufen vier Läufer in einer Mannschaft. Olympisch sind bei Männern und Frauen Strecken über 4x100m und 4x400m. Die 4x100m-Staffel wird in Bahnen gelaufen, bei der 4x400m Staffel werden die ersten 500m in Bahnen absolviert, danach wechseln alle Läufer(innen) auf die Innenbahn. In den Bestenlisten geführt werden auch Staffeln über 4x800m und 4x1500m bzw. im Schüler- und Jugendbereich 3x800m und 3x1000m. Beim Staffellauf muss jeder Athlet einmal die Distanz zurücklegen und dann in einem Wechselraum
dem nächsten Läufer den Stab übergeben. Bei einem Fehler bei der Übergabe - d.h. bei Verlust des Stabes oder bei Überschreiten des Wechselraums - wird die Staffel disqualifiziert. Gleiches gilt bei Verlassen der Bahn.
- Sprungwettbewerbe
- Hochsprung
Hochsprung
ist eine Disziplin in der Leichtathletik, bei der ein Athlet oder eine Athletin versucht, eine möglichst hoch gelagerte Latte zu überspringen. Der Hochsprung ist seit 1896 olympische Disziplin. 1900 bis 1908 wurde dabei auch ein Wettbewerb im Hochsprung aus dem Stand durchgeführt.
- Weitsprung
Als Weitsprung
bezeichnet man in der Leichtathletik eine Sportdisziplin, in der ein Sportler oder eine Sportlerin versuchen mittels eines einzelnen Sprungs eine möglichst große Weite zu erzielen. Weitsprungwettbewerbe findet man sowohl bei Olympischen Spielen, bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften und anderen Leichtathletik-Meetings. Weitsprung wird als Einzeldisziplin wie auch als Mehrkampfdisziplin (Siebenkampf/Zehnkampf) ausgetragen. Daneben gibt es noch eine Abwandlung des Weitsprungs die man Dreisprung nennt. Der Weitsprung ist seit 1896 olympische Disziplin, wobei von 1900 bis 1908 auch ein Wettbewerb im Weitsprung aus dem Stand durchgeführt wurde.
- Stabhochsprung
Stabhochsprung
ist eine Disziplin in der Leichtathletik, bei der die Springer versuchen eine möglichst hochliegende Latte mit Hilfe eines langen, flexiblen Stabes zu überwinden. Der Stabhochsprung ist seit 1896 olympische Disziplin. Der Stab besteht heutzutage aus Fiberglas, ist etwa 5 cm dick und innen hohl. Je nach Gewicht und Kraft des Springers und der Sprunghöhe variiert die Länge und Dicke des Stabes. Früher wurden dafür Bambusstäbe benutzt. Stabhochsprung ist auch eine Disziplin des Zehnkampfs.
- Dreisprung
Der Dreisprung
besteht aus drei nacheinander ausgeführten Sprüngen ("Hop", "Step", "Jump"). Der Wettkämpfer läuft auf einer Anlaufbahn bis zu einem Absprungbalken, von dem der Sprung gemessen wird. Die erste Landung hinter dem Absprungbrett muss mit demselben Fuß erfolgen, mit dem abgesprungen wurde. Es folgt der "Step" (Landung auf dem anderen Fuß) und dann der "Jump" in die Sandgrube (wie beim Weitsprung). Der Dreisprung gehört von Anbeginn an (1896) zum modernen olympischen Programm, wobei bei den Spielen 1900 und 1904 auch ein Wettbewerb im Dreisprung aus dem Stand durchgeführt wurde. Der erste moderne Olympiasieger überhaupt, James Brendan Connolly, war ein Dreispringer. Seit 1996 ist auch der Frauen-Dreisprung olympisch. Die derzeitigen Weltrekordhalter sind Jonathan Edwards aus Großbritannien, (18.29 Meter, Göteborg, 7. August 1995) und Inessa Kravets aus der Ukraine (15.50 Meter, Göteborg, 10. August 1995).
- Wurfwettbewerbe
- Speerwerfen
Der Speerwurf ist eine der technisch anspruchsvollsten Disziplinen. Im Gegensatz zu anderen Wurfdisziplinen ist ein kurzer Anlauf gestattet, aus dem heraus die Phasen des Schwungholens und Abwurfs miteinander synchronisiert werden.
- Diskuswerfen
Den Diskuswurf als Wettkampf gibt es seit der Antike (sog. Diskos). Der Diskuswerfer selbst wurde als der Inbegriff des Athleten angesehen. Erstmals gab es das Diskuswerfen als olympische Disziplin bei den Spielen des Jahres 708 v. Chr. Er war Bestandteil der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen. Damals wurde von einem 60 mal 70 Zentimeter großen Podest geworfen. Seit 1907 werfen die Männer mit einem absolut runden, 2 Kilogramm schweren Diskus, der einen Radius von 11 cm besitzt. Der Diskus der Frauen wiegt nur die Hälfte, was dazu führt, dass Frauen etwas weiter werfen als Männer. Von 1928 an, als die Frauen mit dem Diskuswurf bei den olympischen Spielen begannen, wurde aus einem Wurfkreis mit 2,5 Metern Durchmesser geworfen. Heute besteht ein Wettkampf aus sechs Runden. Ziel ist es, den Diskus so weit wie möglich zu schleudern. Nur die beste gültige Weite eines Athleten zählt. Nach drei Runden qualifizieren sich die besten acht Athleten für die drei Finalrunden. Hier wird in der umgekehrten Reihenfolge des Rankings gestartet.
- Kugelstoßen
Kugelstoßen ist eine technisch anspruchsvolle Disziplin, die hohe Koordinationsfähigkeit und enorme Schnellkraft erfordert. Die Kugel wird auf die Fingerwurzeln der Wurfhand gelegt und seitlich neben dem Kinn am Hals gehalten.
- Hammerwerfen
Hammerweitwurf
ist eine Leichtathletiksportart, bei der es einen "Hammer" so weit wie möglich wegzuschleudern gilt. Der Hammer ist eine Kugel mit einem Gewicht von 7,257 kg, an einem Draht mit einem Handgriff am anderen Ende. Der Hammerwurf entstand in Schottland und Irland wo man ursprünglich ein mit einem Holzstiel versehenes Gewicht warf. Seit 1912 wird eine der oben beschriebene Hammer verwendet. Das Regelwerk für den Hammerwurf wurde 1887 in England geschrieben. Olympische Disziplin seit 1900.
- Siebenkampf (F)
Siebenkampf
(gr. Heptathlon) ist eine olympische Disziplin der Leichtathletik, die vor allem von Frauen ausgeübt wird. Das männliche Pendant ist der Zehnkampf. Ein Siebenkampf der Männer gibt es in der Halle. Es werden die sieben Disziplinen:
· 100 Meter Hürden · Hochsprung · Kugelstoßen · 200 Meter · Weitsprung · Speerwerfen · 800 Meter
an normalerweise zwei Tagen hintereinander durchgeführt und nach einer Punktetabelle bewertet.
- Zehnkampf (M)
Der Zehnkampf
(gr. Dekathlon) ist ein sportlicher Wettbewerb, der aus 10 Einzel-Wettkämpfen besteht. Auf Grund seiner höchsten Anforderungen wird der Zehnkampf auch die Königsdisziplin
der Leichtathletik genannt. Die Wettkämpfer sind frühmorgens oft die ersten und abends die letzten Athleten im Stadion.
Training
Das Leichtathletik-Training ist sehr vielseitig und kann den individuellen Stärken des einzelnen Athleten angepasst werden. Begonnen wird meist mit dem Mehrkampf, also mit dem Training vieler Disziplinen. Bilden sich dann im Jugendalter eindeutige Stärken aus, so wird mehr und mehr Disziplinen-spezifisch trainiert, ansonsten kann die "Königsdisziplin", der Zehnkampf die erste Wahl sein. Zum Training gehören Elemente wie Laufschulung, Koordination, allgemeine Kräftigung, Technikschulung, Ausdauertraining, Sprints und Sprungläufe sowie spezifisches Krafttraining. Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und Technik sind für alle Disziplinen wichtig, jedoch in unterschiedlichen Anteilen.
Wettkampfstätte
Üblicherweise werden die leichtathletischen Entscheidungen in einem Stadion bzw. einer Halle ausgetragen. Im Stadion finden die Laufwettbewerbe auf einer 400-m-Bahn statt. Die Sprung- und Wurfwettbewerbe werden auf dem Feld, welches von der Laufbahn begrenzt wird, statt. Einzelne Disziplinen finden regelmäßig außerhalb des Stadions statt. Es handelt sich hierbei ausschließlich um lange Laufdistanzen, etwa beim Marathon und Gehen. Die Rundbahn einer Leichtathletikhalle ist 200 m lang. Sie besitzt in der Regel vier Bahnen, in einigen Hallen (z.B. Leipzig, Birmingham, Budapest) sogar sechs. Dort werden alle Laufentscheidungen ab 200 m ausgetragen. Die 60-m-Läufe und Technischen Disziplinen (Weit-, Hochsprung, Kugel etc.) werden in der Regel auf dem Feld, welches durch die Rundbahn begrenzt wird ausgetragen. In Deutschland werden die wichtigsten Leichtathletikstadien auch für Fußballspiele genutzt, so etwa in den Olympiastadien von Berlin und München. Die Tendenz geht momentan allerdings eher zu einer Spezialisierung der Wettkampfstätten.
Geschichte
Einige Disziplinen der Leichtathletik wurden schon bei den Olympischen Spielen der Antike ausgeübt. Seit Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen stehen die Leichathletik im Zentrum der Wettkämpfe. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF wurde 1912 gegründet, der Deutsche Leichtathletik-Verband DLV entstand 1949. Der Sport ist weltweit populär, die IAAF hat derzeit 210 Mitglieder. Traditionell dominieren auf den Sprintstrecken US-amerikanische Sportler, die Mittel- und Langstrecken werden von afrikanischen Läufern dominiert. Bei den Wurf- und Sprungdisziplinen sind die Siegerlisten weniger homogen. Die insgesamt erfolgreichsten Nationen bei internationalen Wettkämpfen sind die USA, Russland (bzw. UdSSR) und Deutschland (bzw. DDR).
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